Die U19-Europameisterschaft der Frauen in Sarajevo war in vielerlei Hinsicht eine besondere Maßnahme.
Sportlich stand das Turnier im Mittelpunkt.
Darüber hinaus bot der Austragungsort mir als Pädagogische Fachkraft, individuelle Förderung, Nationalmannschaft, eine neue Perspektive.
Auf dem Platz zeigte sich, wie Stadt und Geschichte die Spielerinnen näherbrachten.
Sarajevo und der Beginn des Ersten Weltkriegs
Sarajevo ist untrennbar mit einem Ereignis verbunden, das die Geschichte Europas grundlegend verändert hat.
Am 28. Juni 1914 wurden hier der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Sophie erschossen.
Daraus resultierte die Ermordung durch Gavrilo Princip.
Das Attentat von Sarajevo war nicht die alleinige Ursache des Ersten Weltkriegs. Allerdings wurde es zum unmittelbaren Auslöser der Julikrise. Wenige Wochen später befanden sich die europäischen Großmächte im Krieg.
Mehr als 100 Jahre später mit einer deutschen Jugendnationalmannschaft an diesem Ort zu sein, macht Geschichte auf eine andere Weise. Zudem wird Geschichte auf eine andere Weise erfahrbar.
Schule endet nicht mit der Abreise
Meine Aufgabe bei der U19-Nationalmannschaft lag vor allem darin, die Spielerinnen außerhalb des Platzes zu begleiten.
Außerdem war ich als Pädagogische Fachkraft, individuelle Förderung, Nationalmannschaft verantwortlich für das Wohlbefinden.
Eine Europameisterschaft fällt für die Spielerinnen nicht automatisch in eine schulfreie Zeit. Gleichzeitig laufen Unterrichtsstoff, Aufgaben, Klausuren oder andere schulische Verpflichtungen weiter.
Gleichzeitig befinden sich die Spielerinnen in einer außergewöhnlichen sportlichen Situation. Training, Spielvorbereitung, Regeneration und die Konzentration auf das nächste Spiel bestimmen den Tagesablauf. Pädagogische Fachkraft, individuelle Förderung, Nationalmannschaft bleiben dabei relevant.
Daher besteht die Herausforderung darin, beides miteinander zu vereinbaren.
Dabei geht es nicht darum, Schule und Fußball gegeneinander auszuspielen.
Im Gegenteil: Ziel ist es, Bedingungen zu schaffen, damit sie ihren schulischen Verpflichtungen möglichst gut nachkommen.
Dabei soll die Konzentration auf das Turnier erhalten bleiben.
Dazu gehören feste Zeiten für schulisches Arbeiten.
Zusätzlich umfasst es individuelle Unterstützung und die Abstimmung mit den Spielerinnen und dem Funktionsteam.
Auf und neben dem Platz erfolgreich
Wie gut die Spielerinnen mit diesen unterschiedlichen Anforderungen umgehen konnten, war während des Turniers zu beobachten.
Außerdem arbeiteten die Spielerinnen konzentriert, übernahmen Verantwortung und unterstützten sich gegenseitig.

Zudem galt das für den Fußball ebenso wie für die schulischen Aufgaben.
Sportlich führte der Weg der deutschen U19 bis ins Endspiel der Europameisterschaft. Außerdem traf die Mannschaft auf Spanien. Im Finale musste sich Deutschland dann leider mit 0:1 geschlagen geben.
Die Enttäuschung unmittelbar nach dem Schlusspfiff war verständlicherweise groß. Wer ein Finale erreicht, möchte es auch gewinnen. Allerdings bleibt der Erfolg mit Abstand vor allem bestehen. Die deutsche U19 wurde Vize-Europameister.
Mehr als ein Fußballturnier
Eine Europameisterschaft mit einer Jugendnationalmannschaft besteht nicht nur aus Training und 90 Minuten Fußball. Die Spielerinnen verbringen über einen längeren Zeitraum nahezu den gesamten Tag miteinander. Zudem müssen sie mit sportlichem Druck, Erwartungen, Erfolg und Enttäuschung umgehen. Gleichzeitig behalten sie ihren Alltag außerhalb des Fußballs im Blick.
Gerade deshalb gehört für mich die pädagogische Begleitung selbstverständlich zu einer solchen Maßnahme.
Außerdem ist sie ein integraler Bestandteil der Umsetzung.
Sarajevo hat dafür einen besonderen Rahmen geboten.
Zudem war eine junge deutsche Nationalmannschaft zu Gast in einer europäischen Stadt.
Ihre Geschichte zeigt, welche Folgen Nationalismus, politische Konflikte und die Unfähigkeit zur Verständigung haben können.
Am Ende standen intensive Wochen, viele Erfahrungen und ein großer sportlicher Erfolg. Zudem kehrten die Spielerinnen als Vize-Europameisterinnen nach Deutschland zurück.
Für mich war es bemerkenswert, wie selbstverständlich viele von ihnen Leistungssport, Schule und Turnieranforderungen verbinden. Dabei zeigte sich klar, dass es großes Engagement verlangt. Das verdient den allergrößten Respekt!